Die Ortschaft Saxrygar

Saxrygar, vinl. „Schwertfürstin“, ist eine Ortschaft an der Ostküste der Insel. Traditionell pflegen hier auch alle weiblichen Einwohner eifrig die Kampf- und Fechtkunst, und der Anteil der Kriegerinnen, die aktiv an Raub- und Feldzügen teilnehmen oder allein auf Abenteuerfahrt gehen, ist deutlich höher als im übrigen Norglaw.

Skjoldmø oder Schildmaiden werden sie genannt, Frauen, die sich für ein Leben als Kriegerin entschieden haben.

Dies ist seit alters her so gewesen. Sagt es doch schon der Name, in dem das Sax an erster Stelle genannt wird, die Alltags- und Allzweckwaffe Vinlands.

Wie vielerorts auch, lebt Saxrygar vom Fischfang und von dem, was die Felder erwirtschaften. Doch hat Saxrygar zwei Besonderheiten.

Das Eine ist die Tatsache, dass an der Steilküste viele Seevögel ihre Nist- und Brutplätze haben. Im untersten Stockwerk nahe der Wasserlinie nistet die taubengroße Gryllteiste, Unmittelbar über den Gryllteisten am oberen Ende des Geröllhanges sind oft Krähenscharben zu finden. Die nächste Etage der Kolonie wird von Dreizehenmöwen besiedelt. Auf schmalen Felsbändern, Gesteinsplatten und in kleinen Nischen brüten Trottellummen und Dickschnabellummen.

Ihre Eier sind groß und geben prachtvolle Eierspeisen her. Die jungen Knaben und Mädchen Saxrygars sind wahre Meisterinnen im Klettern an den Klippen. Früh sammeln sie hierdurch Kraft und Geschick. Sie sammeln die Eier ein, doch nie zu viele, denn die Vögel sollen ja die Brutplätze nicht verlassen. Besonders wird hier der Brauch zu Ostara gepflegt, ein Wettstreit bei dem die Kinder in die Klippen steigen, um das erste Ei des Jahres zu finden und vorzuzeigen. Wobei der oder die Gewinnerin im Mittelpunkt der Feierlichkeiten stehen.

Ein weiterer „Schatz“ sind die Frouwen von Saxrygar selbst. Eine ausgebildete Skjoldmø ist sehr wertvoll und begehrt – sowohl als oft unterschätzte Kriegerin, als auch als selbstbewusstes Eheweib – weiß sie doch das Heim in Abwesenheit des Ehemanns vortrefflich zu schützen.

Das Mädchen kehrte heim und erzählte seiner Mutter davon. Den Mann fand man wimmernd und brachte ihn vor das Thing, das ihn aus der Sippe verstieß. Die Alten hörten dem Mädchen gut zu. Das Feuer wurde entzündet und die Saat gesät. Und man gedachte Freya, die das Mädchen geschützt hatte. So kam ein Otter auf das Hirdbanner der Hetmansess  und die Frouwen erstarkten unter Freyas Segen. Und so ist es bis heute.“

Saxrygar hält sich aus den Zwisten Anderer heraus, ist mehr Schlichter denn Unruhestifter. So auch im aktuellen Streit und Unfrieden um Sturmfels. Und auch ist der Streit der Jarle von Sûrt- und Bragbjorgs fern, noch wagte wer den Unwillen Freyas, welche ihre Hand über Saxrygar schon einmal schützend hielt, erneut herauszufordern.

Die Sippe von Saxrygar

Es ist eine alte Sippe, stolz, frei und flink. So wird über Saxrygar gesprochen. Auch wird es immer eine Ingvarstochter in Saxrygar geben. Allzeit. Und sie kommt aus der Otur Sippe. Die Sippe des Otters.

Doch um sie zu verstehen, muss man den Geschichten lauschen, wie sie die Skalden heute verkünden:

„Dereinst in grauer Vorzeit ward eine Tochter Saxrygars von einem groben Manne aus ihrem Dorfe nachgestellt, der sie begehrte. Obwohl ihre Familie es nicht gut hieß und sie selbst ihn gleichsam abwies, ließ er sich nicht von seinem Vorhaben abbringen, denn er war stark.

Aus Wut über die Zurückweisung jagte er das Mädchen durch Dorf und über Weiden in Richtung der Klippen. Er drohte und fluchte und haderte ihr gar schrecklich. Die junge Maid rannte von Angst ergriffen so geschwind sie konnte und so kam sie an die Klippen, die ihr jedoch keinen Ausweg boten.

Auf einmal erschien neben ihr ein flinkes Tier im Gras, welches hier nicht wirklich zu Hause und daher recht absonderlich war. Es war ein Otter mit glänzendem Fell, geschmeidig und flink. Eine Stimme erklang und sprach zur Maid:  „Sei ohne Angst, Tochter Saxrygars. Ich sehe Dich und werde Deiner sorgen, dass Du sicher kehrst zum Herdfeuer Deines Hauses zurück, denn Dir gilt meine Gunst.“  Und der kleine Otter lief dem Grobschlächtigen entgegen, der sich dem Ziel seiner Wünsche sicher wähnte. Er huschte Flink um dessen nackte Füße und biss ihn in die Selbigen. Der Mann schrie auf und stolperte in seinen Lauf. Doch der Otter ließ nicht ab und biss und biss ein weiteres Mal. Der Unhold schrie, als ihm die Sehne an der Ferse zerriss. Jammernd lag er am Boden und rief um Hilfe.

Der Otter kehrte indes zum Mädchen zurück und war unversehens verschwunden. An seiner Stelle stand eine Frouwe, strahlend schön von Gestalt und Gesicht. Sie lächelte dem Mädchen zu, und sagte: „Zwei Dinge will ich Dir geben, die Du bewahren sollst im Hause und in Deiner Sippe. Diesen Kienspan, dessen Flamme brennt und diesen Beutel Saat. Mit der Flamme entzünde das Herdfeuer Deines Heims und die Saat pflanze ein, auf das Frucht entstehe. Gedenke Freya, wenn Du gehst.“ Damit verschwand die Frouwe, und der Otter huschte flink im dichten Gras davon.