Die Siedlung Geiranger

GeirangerfjordGlücklich schätzen sich jene, die das oft rauhe Nordmeer nicht gewöhnt sind, sobald sie in die stillen Gewässer eines Fjordes einlaufen. Doch mit der Einfahrt in den Loksefjord wird der Fremde zunächst mit den Eindrücken gewaltiger Steilhänge konfrontiert, welche von beiden Seiten auf das Schiff einzudrängen scheinen.

Südlich erheben sich die schroffen Ausläufer des unzugänglichen Stânvangar (vinl. „Steinfeld“), einer fast völlig von breiten, ausladenden und nur mäßig hohen Felsen bedeckten Landschaft an der Ostküste der Insel. Sie trennt den Loksefjord von den Siedlungsgebieten des Helgefjords im Süden.

Im Norden indes ragen die steilen Klippen der geirangerschen Hochebene aus dem Meer. Doch dieser zunächst unwirtliche, gar feindselige Eindruck schwindet, sobald man tiefer in den Fjord einfährt. Dort weichen die Klippen zurück und machen einem breiten, ausladenden Kiesstrand platz, hinter dem sich der fruchtbare Fjordgrund mit seinen saftigen Weiden erstreckt. Die zahlreichen Boote am Strand weisen dem Reisenden den Weg zu jener Siedlung, welche dem Land seinen Namen verlieh: Geiranger.

Der Name Geiranger (vinl. „Schutzspeer“ (wörtlich „Speer gegen Räuber“)) zeugt von dem harten und oft gefährlichen Leben auf der nördlichsten Insel Vinlands. Die Ortschaft ist Sitz des Hersirs in der gleichnamigen Jarlsess im Loksefjord. Hier liegt ein bedeutendes Zentrum der Schafzucht, welche vor allem in der Heidelandschaft auf der nördlich des Fjords gelegenen großen Hochebene betrieben wird.

Der breite Kiesstrand eignet sich zudem hervorragend als Anlegestelle für die im Norden weitverbreitenden Flachbodenschiffe wie die Knarr oder gar der Drakkar, der „Drachen“, das gefürchtete Langschiff des Nordens. Wer jedoch größeren Tiefgang besitzt, der muß auf Rede liegen, da es keinen Kai für solche Schiffe gibt.

Aus diesem Grund war Geiranger schon in früheren Jahren Anlaufpunkt und Hafen für Durchreisende, die den Osten der Insel Norglaw besuchen wollten. Pâpan Rodwôrm, das Hauptheiligtum des Roten Drachen, liegt nur wenige Tagesreisen im Landes inneren. Daher nutzen viele Pilger das Dorf Geiranger als Zwischenstation auf Ihrer Wallfahrt.

Wichtig bleibt noch zu erwähnen, daß die Strände von Geiranger und des benachbarten Dorfes Skyvik die einzigen größeren Häfen in unmittelbarer Nähe darstellen. Dies führt zu einer gewissen Abhängigkeit der im Inland gelegenen Hetmansessen Hofshelgi sowie ggf. auch Lôgmansess und Disirhof.

geiranger-fischDies sowie seine guten Wollprodukte haben das Dorf und die Jarlsess recht reich gemacht. Dies spiegelt sich auch in den reichgeschmückten Bauten im Dorfe wieder. Selbst kleinere Langhäuser wie die Hrolleifshalla (vinl. „Halle von Hrolleif“) oder die Ketilshalla (vinl. „Halle von Ketil“) weisen Verzierungen wie Schnitzereien oder bemahlte Steine im Garten auf.

Der ganze Stolz gilt jedoch der prächtigen Havahål (vinl. „Hohe Halle“), welche den Sitz des Hersirs der Jarlsess darstellt. Hoch über dem Dorf gelegen, bietet sie schon von weitem einen beeindruckenden Anblick und weist dem Fremden den Weg.

Nicht weniger wichtig und ebenfalls eindrucksvoll zeigt sich die Stybjornshalla (vinl. „Halle von Stybjorns“) in der Mitte des Dorfes. Stybjorn, der bislang wohl bedeutendste Gode Geirangers, errichtete diese Kulthalle im Jahre 852 und weihte sie den Hohen und niederen Göttern. Edle Schnitzereien und Runensteine verzieren bereits das äußere der Halle.

Alle nachfolgenden Goden haben diese Halle bezogen und über die Kulträume gewacht. Ein jeder von ihnen hinterließ weitere Kunstwerke, die nun das heutige Bild prägen.

Doch dieser Reichtum zieht nicht nur den respektvollen Blick auf sich. Im Jahre 999 nutzten Seeräuber den leichten Zugang vom Meer aus für einen verheerenden Überfall. Viele Bewohner Geirangers starben und so steht so manche Halle noch heute leer. Derweil wurden einige jedoch von Gefolgsleuten des Hersirs und dessen Freunden erworben.